4 Gründe warum Benedikt Toth unschuldig ist

  • Weil er kein Motiv für die Tat hatte.

  • Weil er gar nicht der Mörder sein kann.

  • Weil er bewiesen hat, dass er die Wahrheit sagt.

  • Weil keine belastbaren Beweise gegen ihn vorliegen.

Verhält sich ein Mörder so?

Er weint und übergibt sich nach der Entdeckung der Leiche.

Er schickt den Strafverteidiger weg, den seine Freunde – die durch Benedikts stundenlanges Verhör auf der Polizeiwache alarmiert waren – ihm zur Seite gestellt haben. „Ich brauche doch keinen Anwalt!“, sagt Benedikt.

Er zeigt sich der Polizei gegenüber äußert proaktiv und kooperativ.

Weil er kein Motiv für die Tat hatte.

Laut Urteil fürchtete er Konsequenzen bei der Aufdeckung seiner „Lebenslüge“ – dass er sein Jurastudium hingeschmissen hatte – durch seine Tante, und versprach sich mit der Tötung eine Lösung seiner finanziellen und anderer Probleme.

Fakt ist: Benedikt konnte nicht sicher wissen, dass er etwas erben würde.

Fakt ist: Benedikt hatte seine Tante über den Studienabbruch informiert. Das hat sie aber nicht dazu gebracht, ihn fallen zu lassen: Er blieb weiterhin ihr Angestellter und Vertrauter.

Fakt ist: Benedikt war weder emotional noch finanziell von seiner Tante abhängig. Er führte mit seiner Lebensgefährtin Frauke ein erfülltes und solides Leben. Die beiden kamen gut mit ihrem Geld aus.

Weil er gar nicht der Mörder sein kann.

Nach den gerichtlichen Feststellungen ist die Tat mit der rechten Hand ausgeführt worden. Benedikt ist aber Linkshänder – ein wichtiges Detail bei einer Tat, die mit äußerster Kraft und Brutalität ausgeführt wurde.

Niemand hat Benedikt zur mutmaßlichen Tatzeit – zwischen 18.15 und 19.10, mithin am helllichten Tag im Mai – in der Nähe des Tatorts gesehen – weder im Parkhaus und seiner Umgebung, noch im Eingangsbereich zur Wohnung des Opfers. Dabei waren an all diesen Orten viele Menschen unterwegs, darunter Freunde und Kollegen von Benedikt.

Falls Benedikt hätte töten wollen, warum dann am helllichten Tag? Warum wählte er nicht einen anderen Zeitpunkt mit geringerem Risiko, gesehen oder gar erkannt zu werden?

Laut Gericht lauerte der Killer Charlotte auf: Er wartete so lange, bis sie ausgehbereit war – und schlug zu, als sie die Wohnung verlassen wollte.

Die Vorgehensweise des Mörders passt nicht zu Benedikts Situation: Als Vertrauensperson hatte er stets freien Zugang zur Wohnung seiner Tante. Warum also hätte er warten sollen, bis sie die Wohnung verließ – vor allem mit dem Risiko, dass sie nicht alleine ist. Warum hätte er in Kauf nehmen sollen, dass sich ihr Todeszeitpunkt genau feststellen lässt? Falls er Charlotte wirklich ermorden wollte, hätte er das jederzeit tun können.

Weil er bewiesen hat, dass er die Wahrheit sagt.

Im April 2011 unterzog sich Benedikt – auf eigenen Wunsch – einem „Lügendetektor-Test“. Bei dieser forensisch-physiopsychologischen Untersuchung werden mit Hilfe eines Polygraphen nicht willkürlich beeinflussbare Körperfunktionen wie Blutdruck, Puls, Atmung und die elektrische Leitfähigkeit der Haut während einer Befragung aufgezeichnet. Der Test wurde von Dipl.-Psychologin Gisela Klein durchgeführt. Sie gilt als eine führende Expertin auf diesem Gebiet.

Benedikt antwortete mit „nein“ auf folgende Fragen: „Haben Sie Ihrer Tante die tödlichen Verletzungen beigebracht?“ „Haben Sie Ihrer Tante am 15. Mai 2006 auf den Kopf geschlagen?  „Haben Sie irgend etwas mit der Tötung Ihrer Tante zu tun?“ 

Laut Kleins Gutachten hat Benedikt wahrheitsgemäß geantwortet.

Damit hat die Verteidigung einen entscheidenden Entlastungsbeweis erbracht, konstatiert Prof. Dr. Holm Putzke, einer der führenden Strafrechtler in Deutschland. Er verweist in einer Stellungnahme (Link unten) darauf, dass dieser Entlastungsbeweis nach aktueller Rechtsprechung in Deutschland vor Gericht zunehmend als zulässig betrachtet wird. Seine Auffassung wird von einer Reihe von Gerichtsentscheidungen gestützt.

Prof. Putzke: „Am 14. Mai 2013 hat das Oberlandesgericht Dresden entschieden, dass die „Untersuchung mit einem Polygraphen (…) im Sorge- und Umgangsrechtsverfahren ein geeignetes Mittel (ist), einen Unschuldigen zu entlasten (…)“. Am 26. März 2013 entschied das Amtsgericht Bautzen, dass das entlastende Ergebnis einer polygraphischen Untersuchung als Indiztatsache auch in Strafverfahren verwertbar sei.“

„Mit einem Polygraphen ergeben sich neue Möglichkeiten, in einem Strafprozess die Wahrheit zu finden“, stellt Dr. Dirk Hertle, Richter am Amtsgericht Bautzen, fest.

Kolumne: Ignoranz meets Arroganz; in: Zeitschrift für die Anwaltspraxis (ZAP), Nr. 6 vom 26.3.2015, S. 279 – 280

http://www.holmputzke.de/index.php/veroeffentlichungen/vermischtes

Weil keine belastbaren Indizien gegen ihn vorliegen.

Alle 14 „bewiesene Indizien“, die gegen Benedikt sprechen könnten – tatsächlich spricht auch das Landgericht München I in der Begründung zum Urteil vom 12. August 2008 nicht von „Beweisen“ –, waren und sind entweder leicht zu widerlegen oder plausibel zu erklären. Das geschah teilweise schon während des Prozesses.

Deswegen musste das Gericht in der Urteilsbegründung von einigen Indizien Abstand nehmen, andere wurden abgeschwächt.

Der ganze „Indizienring“ und somit auch die Urteilsbegründung des Strafgerichts wurden von Brigitta Steinlehner-Stelzner, der Vorsitzenden Zivilrichterin im Zivilprozess von November 2011, in Frage gestellt. Die Richterin teilte in einem Hinweisbeschluss mit, dass sie erhebliche Probleme mit der Urteilsbegründung des Strafgerichts hat: Nach ihrer Auffassung sei ein entschiedenes Indiz bislang nicht überzeugend nachgewiesen. Ferner äußerte die Richterin deutliche Kritik an die Nicht-Berücksichtigung anderer mögliche Täter bzw. Hinterpersonen.

Jedes dieser „Indizien“ ist durch Beweise oder Gegenindizien seitens verschiedener Zeugen und Gutachter widerlegt worden.

Jedes dieser „Indizien“ hat etliche Fragen aufgeworfen, die noch auf Antworten warten.

Ein Grundprinzip der Justiz lautet: Die Beweislast liegt beim Kläger. Im Falle Charlotte Böhringer wurde jedoch die Unschuldsvermutung durch eine Schuldannahme ersetzt – auf Kosten der Wahrheit. Nichtsdestotrotz war die Verteidigung in der Lage, die Unschuld von Benedikt schlüssig aufzuzeigen.

Zahlreiche „Indizien“, die zu Benedikts Verurteilung führten, sind unhaltbar:

Benedikts DNA wurde an tatbezogenen Gegenständen gefunden.

Aber nicht nur dort. Als Vertrauensperson ging Benedikt seit 13 Jahren in der Wohnung ein und aus. Dabei „verteilte“ er seine DNA quer durch die Wohnung und an sehr viele Gegenstände darin. Somit wäre ein anderer Befund als der obige eine große Überraschung, denn DNA hat kein Verfallsdatum.

Benedikts DNA wurde auf dem Sakko von Charlotte entdeckt.

Seit jeher hatten Benedikt und seine Tante familiären Kontakt samt Umarmung zur Begrüßung.
Nachdem Benedikt die Leiche gefunden hat, ging er sofort zu seiner Tante, um ihren Puls zu fühlen. Schon deshalb war auch dieser Fund zu erwarten. So sieht es auch die Zivilrichterin.

Benedikt hatte kein bestätigtes Alibi für die fragliche Tatzeit.

Aber einen guten Grund, am 15. Mai 2006 alleine zu Hause zu bleiben: Er war erkältet. Deshalb nahm er sich vor, das Bett zu hüten und sich auszukurieren.

Trotzdem war Benedikt am fraglichen Tag nicht alleine: Seine Lebensgefährtin Frauke ging wie jeden Tag in der gemeinsamen Wohnung ein und aus. Da stellt sich die Frage: Welcher kaltblütige Killer würde das Risiko eingehen, unmittelbar nach der Tat, womöglich in blutverschmiertem Zustand, von seiner eigenen Freundin überrascht zu werden?

Übrigens: Dass man einige Stunden oder gar den ganzen Tag alleine in seiner Wohnung verbringt, kommt nicht selten vor; das ist weder verdächtig noch außergewöhnlich. Deswegen eignet sich dieser Umstand nicht als Belastungsindiz.

Klicken Sie hier, um ausführliche Informationen über die ‘Indizien’ und ihre Widerlegungen zu lesen. http://www.probence.de/unsere-kritik-1/