Archiv für den Monat: Oktober 2015

Fall Charlotte Böhringer: Profil des wahren Täters

26. Oktober 2015

Am 15. Mai 2006 wird Charlotte Böhringer ermordet. Drei Tage später wird ihr Neffe Benedikt Toth verhaftet und des Mordes beschuldigt. Am 12. August 2008, nach 93 Verhandlungstagen, ergeht das Urteil: Lebenslange Haft für Benedikt. Zudem wird die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Seitdem kämpft eine wachsende Gruppe von Strafrechtlern, Fachjournalisten und Bürgern für die Revision dieses ungerechten Urteils, das aufgrund unzureichender Indizien erging.

Ein gewichtiger Grund für die Kritik an diesem Prozess und Urteil: Das Profil des Täters passt nicht zu Benedikt. Womöglich führt es zu einer Person, die schon einmal an einem Mord beteiligt war: am Mord von Ursula Herrmann.

Dieser Täter könnte aus Charlotte Böhringers direktem Umfeld stammen. Als Verdächtige kommen Charlottes Ex-Ehemänner, Stiefkinder, Liebschaften, Geschäftspartner oder Ex-Arbeitnehmer infrage. Doch diese Verdächtigen wurden von den Ermittlern nur oberflächlich – oder gar nicht – vernommen. Viele ihrer Alibis wurden erst nach mehreren Monaten überprüft, was die Feststellung ihres Wahrheitsgehaltes erheblich erschwert.

Der wahre Mörder…

Charlotte Böhringer war am Nachmittag des 15. Mai 2006 mit einer unbekannt gebliebenen männlichen Person in ihrer Wohnung verabredet. Offenbar wollte Charlotte diese Bekanntschaft verschweigen. Denn kurz vor ihrem Tod hatte sie gegenüber ihrer Freundin Marianna S. geäußert, sie erwarte am fraglichen Nachmittag ihren Anwalt – was dieser bestreitet.

Eine unbekannte Person trank am Nachmittag des 15.06.2006 einige Gläser Wein bei Charlotte. Zuvor hatten Charlotte und Marianna S. eine Weinflasche geöffnet und sich jeweils ein Gläschen eingeschenkt. Als nach der Tat eben diese Weinflasche gefunden wurde, war sie fast leer. Wer hatte noch daraus getrunken?

Eine zentral wichtige DNA-Spur konnte bisher keiner Person zugeordnet werden. An einem Glas in Charlottes Geschirrspüler sowie an ihrer Kommode wurde diese Spur gefunden. Sie ist identisch mit männlichem Erbmaterial, das in Zusammenhang mit einem weiteren Tötungsdelikt steht: An einer Schraube der Kiste, in der Ursula Herrmann 1981 im Alter von 10 Jahren von Erpressern entführt worden war und elend erstickte, wurde eine übereinstimmende Spur gefunden.

Laut den gerichtlichen Feststellungen ist die Tat mit der rechten Hand ausgeführt worden. Benedikt Toth ist dagegen Linkshänder.

Es gab in der ganzen Wohnung Schuhabdrücke, die bislang nicht zugeordnet werden konnten, aber jedenfalls nicht von Benedikt stammten. Ein vermutlich intimer Freund von Charlotte hat seine Kleidung – ebenfalls bisher niemandem zugeordnet – in ihrer Wohnung deponiert.

und warum er nie gefunden wurde

Weil die Ermittler versäumt haben, mindestens 63 Spuren adäquat – oder überhaupt – nachzugehen.

Weil die Ermittler z.B.

die Mobilbox von Charlotte Böhringer erst dann abgehört haben, als die Daten und Sprachnachrichten bereits gelöscht waren.

nicht alle Haarspuren aus der Tatortwohnung untersucht haben.

weitere Verdächtige aus Charlotte Böhringers direktem Umfeld nur oberflächlich – oder gar nicht – vernommen haben. Dazu zählen Charlottes Ex-Ehemänner, Stiefkinder, Liebschaften, Geschäftspartner oder Ex-Arbeitnehmer. Deren Alibis wurden teilweise erst nach mehreren Monaten überprüft – was das Feststellen ihres Wahrheitsgehalts erheblich erschwert.

Für weitere Informationen:

Terry Swartzberg

Kommunikationsbeauftragter der Familie Toth

(089) 411 54 771, (0170) 473 35 72, sayhi@swartzberg.com, freebenedikt.com